Mother’s Hood I
Getufteter Wollteppich auf Leinwand. 2*2m
Der Wandteppich „Mother’s Hood“ zeigt eine hügelige Landschaft und ein Dorf im Kanton Solothurn. Als Kind verbrachte ich fast jedes Wochenende im Heimatort meiner Mutter. Nach dem Tod meines Grossvaters kehrte meine Familie regelmässig dorthin zurück, um in der familieneigenen Bäckerei mitzuhelfen. Seit der Geburt meiner Tochter beschäftigen mich die Mutter-Tochter-Beziehung und die Frage, wie sich mütterliche Prägung über Generationen hinweg fortsetzt, auf neue Weise. Dadurch richte ich den Blick verstärkt auf meine eigene Kindheit und die Erinnerungen, die untrennbar mit dem Herkunftsort meiner Mutter und den gemeinsamen Fahrten dorthin verbunden sind. Die dargestellte Landschaft ist deshalb weniger als konkreter Ort zu verstehen als vielmehr als Erinnerungsraum – ein
innerer Herkunftsort. Das Thema der Mutterschaft als Künstlerin beschäftigt mich schon lange. Vielen Künstlerinnen die auch Mütter waren mussten aufgrund ihrer Situation auf die Heimwerkmaterialien und Techniken zurückgreifen und stickten, strickten oder webten. Die Wolle als Ausgangsmaterial und der Teppich als Bildträger schien mir daher für die Übersetzung meiner Zeichnung passend: Eine Hommage an die Heimwerkkünstlerinnen.
Im Kontrast dazu steht die Grösse der Arbeit und die Technik des Tuftens: Mit den tufting Guns kann im Vergleich zur Weberei sehr expressiv, körperlich und auch schnell mit Faden auf die Leinwand gemalt werden.

Mother’s Hood II (2025)
Öl auf Papier, 650 × 140 cm
Mother’s Hood II entstand auf einer sechs Meter langen Papierrolle, Stück für Stück. Erst am Schluss wurde die gesamte Rolle vollständig geöffnet und als zusammenhängendes Bild fertiggestellt.
Die Arbeit knüpft an den Wandteppich Mother’s Hood I an, löst sich jedoch von der konkreten Landschaftsdarstellung zugunsten einer abstrakten Bildsprache. Farbflächen, Übergänge und gestische Spuren treten an die Stelle eines wiedererkennbaren Ortes und eröffnen einen emotionalen und assoziativen Raum. Während Mother’s Hood I von der Frage ausgeht, wie mich meine Mutter geprägt hat, richtet Mother’s Hood II den Blick in die entgegengesetzte Richtung: Wie präge ich meine Tochter? Der abschnittsweise Arbeitsprozess spiegelt diese Auseinandersetzung wider. Da jeweils nur ein kleiner Teil der Bildfläche sichtbar war, entstand die Komposition schrittweise, ohne den Gesamtverlauf vollständig überblicken zu können. Diese Arbeitsweise wurde für mich zu einer Metapher für das Elternsein: Prägung vollzieht sich in einzelnen Momenten, deren Bedeutung sich oft erst rückblickend im grösseren Zusammenhang erkennen lässt.
